GrenzErFahrung-Eine MTB-Tour am ehemaligen eisernen Vorhang


Unser Ver­eins­mit­glied Jörg Mahn­ke ver­brach­te sei­nen dies­jäh­ri­gen Rad­ur­laub im Grenz­ge­biet zwi­schen Deutsch­land, Öster­reich, Tse­chi­en und ent­lang der ehe­ma­li­gen inner­deut­schen Gren­ze. Hier sein Bericht:

Nach­dem ich mit dem Zug nach Pas­sau gefah­ren war ging es am nächs­ten Tag an der Donau ent­lang und über den Donau­steig zum Jochen­stein­kraft­werk. Dort ver­ließ ich das Doau­tal, es waren ca. 250 Höhen­me­ter auf kür­zes­ter Distanz, zum Teil schie­bend, zu über­win­den. Immer wie­der ging es über die Gren­ze nach Öster­reich und zurück nach Deutsch­land. Ziel­ort war dann Haid­müh­le im Bay­ri­schen Wald. Von dort ging es am nächs­ten Tag auf tsche­chi­schen Staats­ge­biet wei­ter durch den Böh­mer­wald und wie­der durch den Bay­ri­schen Wald in die Glas­stadt Frau­en­au. Am frü­hen Mor­gen brach ich dann wei­ter Rich­tung Gro­ßer Arber auf. Dort waren die letz­ten 250 Höhen­me­ter bis zum Gip­fel schie­bend und tra­gend zu über­win­den. Das war nicht gut die­sen Abschnitt ohne Orts­kennt­nis am Com­pu­ter zu opti­mie­ren. Auch die Abfahrt war ziem­lich anspruchs­voll, so dass ich erst kurz vor 19 Uhr nach 10 Stun­den unter­wegs im Ziel­ort Furth im Wald ankam. Die nächs­te geplan­te Tour muss­te ich auf­grund von Unwet­ter­war­nun­gen ändern und es ging kom­plett über Asphalt. Dies mach­te zwar kei­nen gro­ßen Spaß, war aber nicht so gefähr­lich wie bei einem Unwet­ter im Wald. Und Unwet­ter mit Stark­re­gen gab es an die­sem Tag reich­lich. Auch mit der Quar­tier­su­che Abends klapp­te es nich so gut. So muss­te ich nach Wür­zel­brunn, einem 6‑Häuserdorf, aus­wei­chen. Um nicht zuviel Umwe­ge in Kauf zu neh­men,  damit ich Abends mei­ne Ziel­ort Selb errei­chen konn­te fuhr ich schräg auf mei­ne ursprüng­li­che Rou­te zu und muss­te so auf einen geplan­ten Teil in Tsche­chi­en ver­zich­ten.

Von Selb ging es dann nach Blan­ken­stein in Thü­rin­gen über eine etwas MTB-modi­fi­zier­te Vari­an­te der Radroute“Grünes Band”, nicht ohne noch ein­mal einen tol­len Sin­gle­trail in Tsche­chi­en mit­zu­neh­men.

Die nächs­ten zwei Tage folg­te ich mehr oder weni­ger dem Renn­steig bis Eisen­ach. Eisen­ach war dann der Start­punkt für die Tour durchs Wer­ra­tal, bei 42° Cel­si­us, nach Heil­bad Hei­li­gen­stadt. Auch die drei Tage vor­her waren mit Tem­pe­ra­tu­ren jen­seits der 35° Cel­si­us schon sehr warm gewe­sen. Da trinkt man schnell  mal 10 Liter Was­ser am Tag. Von Heil­bad Hei­li­gen­stadt ging es nach einer erhol­sa­men Nacht, mit erst­mals Tem­pe­ra­tu­ren unter 20° Cel­si­us, mor­gens wei­ter Rich­tung Harz. Über Wal­ken­ried erreich­te ich dann Zor­ge um von dort aus am nächs­ten Tag die Harz­que­rung in Ilsen­burg zu been­den. Natür­lich gab es im Harz bei Drei Annen Hoh­ne wie­der ein Dampf­lok­s­pek­ta­kel zu bewun­dern.

In Ilsen­burg ver­ließ ich den Harz um über die Mag­de­bur­ger Bör­de dann Schö­nin­gen am Elm zu errei­chen. Hier noch­mal mein Dank an Wolf­gang Warne­cke, einem Ein­hei­mi­schen, der mir einen schö­ne­ren Weg als mei­nen nach Horn­burg zeig­te. Von Schö­nin­gen ging es durch den Elm und die Mag­de­bur­ger Bör­de in die Alt­mark. Unter­wegs gab es zwar den ein oder ande­ren Schau­er aber nach lan­gen 128 Kilo­me­tern war ich dann in der schö­nen Alt­stadt von Salz­we­del. Das nächs­te Ziel war Hitzacker an der Elbe und ich mach­te so rich­tig Bekannt­schaft mit dem tro­cke­nen Alt­mär­ker Sand auf den Wegen. Das ging nicht vor­wärts, so tief sank ich da ein. Trotz­dem erreich­te ich bei Schnackenburg/Elbe die Fäh­re. Lei­der fiel mei­ne nächs­te Fäh­re wegen Nied­rig­was­ser aus. Des­halb blieb ich dann bis Dömitz auf der rech­ten Elb­sei­te. Abends war ich dann in Hitzacker.

Mor­gens fuhr ich dann bei einem Stark­re­gen los, ich bekam immer wie­der Schau­er, trotz­dem war die Wei­ter­fahrt an der Elbe sehr schön und ich hat­te in Boi­zen­burg und Lau­en­burg gutes Wet­ter um mir die­se schö­nen Klein­städ­te an der Elbe anzu­schau­en. In Lau­en­burg gab es kurz dar­auf wie­der ein hef­ti­ges Gewit­ter und ein Blick in die Vor­her­sa­ge der nächs­ten Tage beinhal­te­te wei­te­re Unwet­ter­war­nun­gen. Also ent­schloss ich mich nicht mehr zur Halb­in­sel Pri­wal zu fah­ren, son­dern in Ham­burg die Grenz­ErFah­rung zu been­den.

Ich habe die­se Tour aus Anlass des 30. Jah­res­tags des Fall des Eiser­nen Vor­hangs gemacht. Heu­te konn­te ich ganz selbst­ver­ständ­lich von Deutsch­land nach Tsche­chi­en, von Bay­ern nach Sach­sen oder Thü­rin­gen fah­ren. Ab und an wur­de mir bewusst, dass man vor 30 Jah­ren dafür min­des­tens eine lan­ge Haft­zeit antre­ten muss­te. Und wo ich jetzt Fahr­rad fuhr, waren frü­her Selbst­schuss­an­la­gen.

Eine wei­te­re Erfah­rung war, dass wenn man allein reist,  doch schnell in Kon­takt mit den Men­schen kommt. Und wenn mir bei mei­nem Umher­ir­ren in den Städ­ten bei der Unter­kunftsu­che ein net­ter Ein­hei­mi­scher mich zu einer Unter­kunft beglei­te­te oder ich Abends mit den Men­schen beim Etap­pen­bier ins Gespräch kam war auch das ein schö­nes Urlaubs­er­leb­nis. Ich habe 10 Bun­des­län­der gestreift oder durch­fah­ren und so auch viel von unse­rem Land gese­hen, wenn es mit dem Wet­ter klappt macht Urlaub daheim auch Spaß. Und in die Ober­pfalz fah­re ich noch­mal mit mei­ne Arse­nal an Fahr­rä­dern für ein paar Tages­tou­ren. Alle Tou­ren habe ich von Ver­fah­rern berei­nigt bei GPSies hoch­ge­la­den. In der Tabel­le fin­det ihr die tat­säch­li­chen Stre­cken”