Engadin Bike Giro 2019


4 Freun­de, 3 Tage, 2 Mara­thon Etap­pen, 1 Prolog/Zeitfahren

Der Enga­din Bike Giro ist ein Etap­pen­ren­nen der Super­la­ti­ve! Vom 28. — 30. Juni 2019 stan­den knapp 300 MTB-Begeis­ter­te jeweils um 9.00 Uhr am Start um die schnel­len und tech­ni­schen Trails im Enga­din mit dem Moun­tain­bike zu erobern. Mit im Feld ein­ge­reiht waren auch Tim Pott­mei­er, Maxi Bos­se, Mike Kirch­ner und Ole Röhr­danz vom Team Mara­thon Ibben­bü­ren. Bis auf Ole sind alle zum ers­ten Mal bei der 4. Aus­ga­be des tech­nisch sehr anspruchs­vol­len Ren­nens.

Die Strecke:

Ein Pro­log mit 23 Kilo­me­tern, dem WM Trail, einer Natur­bob­bahn als Down­hill und 550 Höhen­me­ter, zwei Mara­thon Etap­pen mit ca. 70 km und 2200 Hm war­te­ten auf die Fah­rer vom Team Mara­thon Ibben­bü­ren. For­dern­de Anstie­ge, tech­ni­sche Trails und ver­block­te Abfahr­ten mit bis zu 30% Gefäl­le, atem­be­rau­ben­de Pan­ora­men zum Sil­va­pla­na See, dem Cor­vatsch und dem Piz Nair.

Das Wetter:

Back­ofen!

Die Teilnehmer:

Das Star­ter­feld ist bunt gemischt. Inter­na­tio­na­le Stars wie Tho­mas Lit­scher und Sabi­ne Spitz kämpf­ten vor­ne um den Sieg. Exo­ten aus Aus­tra­li­en und Süd­afri­ka unter­stri­chen das inter­na­tio­na­le Flair. Ein paar net­te Hol­län­der und Dänen füll­ten das Star­ter­feld auf und recht­fer­tig­ten ihre 160mm Brems­schei­ben und die feh­len­de Vario­sat­tel­stüt­ze mit dem Satz: „ich bin ja vor ein paar Jah­ren schon die Tran­salp mit­ge­fah­ren.“ – Oje!

Der Ablauf:

Tag 1 – der Berg ruft — 23km- Auf-/Abstieg 550 m / 1000m

Am ers­ten Tag hieß es Ein­zel­start auf 2500m. Und als ers­tes run­ter von Berg! Es ging in 30 Sec. Abstän­den direkt in den 10 km WM Trail bis nach St. Moritz. Wir sind zwar solch lan­ge Abfahr­ten nicht gewohnt, aber zurück­hal­ten ist auch nicht unse­re Stär­ke. Es ist nicht ein­fach, jeman­den auf einer unbe­kann­ten Ste­cke mit Voll­gas zu ver­fol­gen, wenn er eine gigan­ti­sche Staub­wol­ke hin­ter sich her zieht. Die Lösung: Vor­beisch­rei­en und Vor­sprung für den lan­gen Anstieg zur Salas­trains raus­fah­ren, bevor die Schwei­zer Berg­zie­gen zum Gegen­an­griff antra­ten. Am Ende sicher­ten wir uns gute Plät­ze in der ers­ten Hälf­te für den Start an Tag 2.

Tag 2 – wenn die Beine brennen – 76km- Auf-/Abstieg 2127 m / 2127 m

Wenn die Mus­keln ein­fach nur noch bren­nen und schmer­zen, dann kämp­fen wir um den Wind­schat­ten in den Flach­pas­sa­gen, um die Kon­kur­renz im Griff zu hal­ten.
Dies war das Mot­to der ers­ten 40 fla­chen Km durch das Val Ber­ni­na. Eigent­lich um etwas Kräf­te für die wei­te­ren Anstie­ge im letz­ten Drit­tel zu spa­ren, doch das ist ein­fa­cher gesagt als getan, wenn der Schal­ter im Kopf auf „Ren­nen“ steht. Nach der 2. Ver­pfle­gung im Tal wur­de unser Flow durch eine schot­ter­ar­ti­ge Eiger-Nord­wand jäh unter­bro­chen. Schat­ten­freie Anstie­ge zum Cor­viglia hoch lie­ßen die back­ofen­ähn­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren stei­gen. Lei­der hat­te es Mike und Tim durch Stür­ze und jeweils einem Len­ker­bruch zur Auf­ga­be gezwun­gen. Maxi und Ole erreich­ten als „Grou­pet­to des Lei­dens“ das Ziel.

Tag 3 – wie ein Schweizer Uhrwerk – 64.00km- Auf-/Abstieg 2218 m / 2218 m

Die Ober­schen­kel: Lak­tat­ver­klebt, in der Tri­kott­asche war­mes Ener­gie-Gel und in den Trink­fla­schen ….egal! Das Tages­ziel: über­le­ben! Tages­mot­to: alles was geht!!
Lei­der zer­legt es Maxi auf den ers­ten 10km. Er genoss unter vol­ler Dröh­nung die Heli­ko­pter­ein­heit ins Kran­ken­haus, wäh­rend Mike und Ole gemäß dem Mot­to der Ovo­mal­ti­ne: nicht län­ger, aber bes­ser und schnel­ler die letz­te Etap­pe in Angriff nah­men. Nach den aber­mals lan­gen und stei­len Auf­stie­gen auf 2600m erwar­te­te uns die Kröh­nung mit dem Olym­pia­trail und dem El Para­di­so bis ins Ziel. Ole hat­te in den Trails sei­nen direk­ten Kon­kur­ren­ten Richard (NL) hin­ter sich, der in jeder Kur­ve Gri­p­in­fos, Nei­gungs­win­kel und Dämp­fungs­ver­hal­ten direkt und in Echt­zeit durch­stell­te. Getreu nach dem Mot­to „Geschwin­dig­keit sta­bi­li­siert“ ließ er ADHS-Richie auf dem Trail zurück. Mike fuhr nach sei­nem Sturz an Tag 2 das Ren­nen wie ein Schwei­zer Uhr­werk ins Ziel.

Ergebnisse / Erfahrung:

  • Tim: Sturz – Len­ker­bruch – mit ein­sei­tig gekürz­tem Len­ker die Etap­pe been­det und mit Ganz­kör­per­leh­mung fast nicht vom Rad gekom­men. Erneu­ter Ver­such in 2020!
  • Maxi: Sturz – Elle aus­ge­ku­gelt – Heli­ko­pter­frei­flug. Kann man machen. Erneu­ter Ver­such in 2020!
  • Mike: Car­bon Turn­stan­gen als Len­ker tau­gen nicht. Mit der Alu Vari­an­te hat Tag 3 geklappt. Erneu­ter Ver­such Swiss Epic 2020?
  • Ole: Platz 23 AK, Platz 87 gesamt. Swiss Epic 2020?

Fazit & Bilder:

Wir haben in unse­rem Rad­ler­le­ben schon eini­ge Ren­nen und Etap­pen­ren­nen bestrit­ten. Doch kein Ren­nen ver­band bis­her kon­di­tio­nel­len und fahr­tech­ni­schen Anspruch so geni­al wie die­ses hier. Kulis­se und Trails waren unschlag­bar.

Text & Bil­der von: